Wie kam ich zur Feldenkrais-Arbeit?

An einer Tagung des Kneippvereins, ich war damals Ende zwanzig, sagte meine Zimmernachbarin auf meine Aussage, ich würde gerne noch etwas Neues lernen: „Feldenkrais wäre was für dich … du brauchst aber etwa 10 Jahre, bis du es kannst.“ Damals dachte ich: Was soll das? Ich lerne doch nicht etwas, das 10 Jahre dauert … dann wäre ich ja schon vierzig! Nun, trotzdem hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen. Ich wollte doch wissen, was dieses Feldenkrais ist.

Also organisierte ich Kurse und nahm selber daran teil. Die Methode faszinierte mich ganz schnell. Heute bin ich über fünfzig und setze mich seit der Ausbildung 1996 intensiv und mit viel Freude mit der Feldenkrais-Methode auseinander.Das Schönste daran ist für mich die direkte Arbeit mit den Menschen.

Dieses gemeinsame Erforschen der Bewegungsabläufe und deren Anteil am allgemeinen Fühlen und Handeln in der Lebensgestaltung, der Persönlichkeit und des Ausdrucks faszinieren mich und meine Kunden sehr.

Der Körper zeigt sich immer wieder als ein Wunderwerk der Natur. Das wohl grösste Wunder darin ist seine Bereitschaft neues zu lernen, zu integrieren und altes vergessen zu lassen. Er ist in keiner Form „nachtragend“. Hat er einmal eine neue, leichtere und lustvollere Bewegung entdeckt, ziert er sich nicht, diese auch zu verwenden, sofern es auf der Persönlichkeitsebene auch erlaubt ist. Nicht jedermann darf offen, leicht und fröhlich sein, auch wenn er es möchte.

Dass dies jedoch im laufenden Prozess möglich wird, ist für alle Beteiligten, Körper, Person und mich immer wieder ein Moment grosser Freude.

Ich bin sehr dankbar, dass meine Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes lebendig, vielseitig und immer wieder neu ist. Ich danke meinen Kunden für ihr Vertrauen und freue mich auf viele neue Herausforderungen.


Susanne Bucher

Gedanken

Zitate aus: DIE ENTDECKUNG DES SELBSTVERSTAEND-LICHEN und DAS STARKE SELBST von Dr. Moshé Feldenkrais

... Haben Sie gelernt, das zu tun, was Sie von sich aus am liebsten tun möchten - und wie man das tut?

... Ich habe an die vierzig Jahre damit zugebracht, zuerst einmal erkennen zu lernen, wie ich was tue, und dann anderen beizubringen, wie man lernen lernt, damit sie sich selbst gerecht werden können.

... Sich selbst zu erkennen, scheint mir das Wichtigste, was ein Mensch für sich tun kann.

... Aber wie kann man sich erkennen? Indem man lernt zu tun, nicht wie man SOLLTE, sondern wie es einem selbst gemäss ist.

... Ein Ausweg liegt auf der Hand. So offen liegt er da, dass kaum Einer ihn bedenkt: uns weniger darum zu kümmern, WAS wir tun, als um die Art und Weise, WIE wir es tun, was es auch sein mag.

... Denn das WIE ist das Kennzeichen unserer Individualität, aus ihm erkennen wir unser Vorgehen, den Prozess unseres Tuns, und nicht aus dessen Inhalt oder Ergebnis.

... Organisches Lernen ist grundlegend, daher unerlässlich. Es kann auch therapeutisch wirken. Lernen ist gesünder, als Patient zu sein und sogar als geheilt zu werden.

... Leben ist kein Ding, sondern ein Prozess. Prozesse aber gehen gut, wenn es viele Wege gibt, sie zu beeinflussen. Um das zu tun, was wir möchten, brauchen wir mehr Wege als nur den einen, den wir kennen - mag er auch an sich ein guter Weg sein.

... Dieses Organische Lernen ist langsam und kümmert sich nicht um die Bewertung etwaiger Ergebnisse als gut oder schlecht. Es hat keinen erkennbaren Zweck, kein Ziel. Es wird gelenkt einzig von dem Gefühl der Befriedigung, das sich einstellt, wenn jeder neue Versuch als weniger ungeschickt empfunden wird als der vorangegangene, ...

... Es gibt Menschen mit grossen Ähnlichkeiten; aber es gibt individuelle Verhaltens-, Handlungs-, Bewegungsweisen, individuelle Arten, zu fühlen, wahrzunehmen, zu empfinden, die jeden Einzelnen zu einem Einmaligen machen; und in meiner Arbeit gilt es, ihn so zu behandeln, dass ihm nach seiner Einmaligkeit geholfen werde.

... Wenn wir unsere Freiheit der Wahl erweitern und menschengerecht anwenden möchten, müssen wir über Dinge, die wir längst kennen und wissen und die uns vertraut sind, auf alternative Weisen denken lernen.

... Im Hinblick auf potentes, gesundes Verhalten gibt es nichts wichtigeres als den Grad des inneren Zwanges, aus dem wir handeln.

... Alles, worauf es wirklich ankommt, geschieht ohnehin: Wir werden immer essen, denken, lernen müssen, Kinder kriegen und sterben, ganz egal, woran wir glauben. Ob aber unser Tun gesund oder unbefriedigend sei, hängt davon ab, WIE wir diese Dinge tun; und das ist der springende Punkt.

... Die Erfahrung des Körpers ist nötig, um die Verbindung zwischen den Nervenmechanismen und der Wirklichkeit herzustellen.

... Denn man muss seiner Motivation überhaupt erst einmal innewerden, bevor man lernen kann, mit ihr anders umzugehen und damit auch sein Verhalten zu ändern.

... Spontaneität bedeutet nicht, dass jeder Drang und Trieb ausgeführt werde, nur weil es ihn gibt und er sich meldet, sondern dass alles Handeln spontan ist, wenn es nicht zwanghaft ist.

... Vollkommenheit ist weder zu erwarten, noch anzustreben. Sie entsteht, indem man nur das Nötige tut, und durch sonst nichts.